Nachts ist die Luft kristallisiert. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich das Dunkel, das mir versprochen wurde. Sind sie aber offen, fliegen kristalline Strukturen durch mein Zimmer. Flüsse im Himmel.
Früher noch, mit Fieber in meinem Bett, bescheidene 10qm, die Jalousien heruntergelassen, gar tausend mal stand “Gute Nacht” auf ihnen geschrieben, tausend mal las ich diese Worte, enthob sich die Schrift langsam von ihrem Untergrund und schwebte als loses Buchstabenskelett in glitzernden Flüssen durch die Luft. Ich zwang mich, nicht zu blinzeln und hoffte, es greifen zu können, doch kurz bevor es mich umflossen hätte, drehte es seitlich ab und ließ sich vom kristallinen Strom ins Nichts entführen. Ich bekam es nie zu spüren.
Neulich fragte er mich, warum ich einen Notizzettel mit den Worten “Some things never change” an meiner Wand hingen hätte. Ich erinnere mich nicht an den Grund, es aufgehängt zu haben, geschweige denn, es geschrieben zu haben. War es etwas, was mich beschäftigte? Ein Gefühl aus den tiefen meiner Seele in diese Worte gepresst? Nein, ich denke nicht. Es hängt an meiner Wand und hat für mich nicht mal eine Bedeutung. Doch irgendwie bleibt es kleben. Vielleicht genauso sehr, wie mein Blick an glitzernden Flüssen, die nachts mein Zimmer durchfließen.
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